Trainer Lauri Marjamäki spricht erstmals über seine Aufgabe: «Dieses Angebot konnte ich nicht ausschlagen»
Der EV Zug wird finnisch. Lauri Marjamäki erklärt, was ihn am Job gereizt hat, worauf er Wert legt und weshalb er gegenüber dem EHC Kloten kein schlechtes Gewissen hat.
Die Trainerfrage ist geklärt: Vor etwas mehr als einer Woche gab der EV Zug bekannt, dass
Lauri Marjamäki ab nächster Saison übernimmt. Er hat einen Zweijahresvertrag bis 2028 unterschrieben. Mittlerweile ist auch definitiv bestätigt, dass es im Staff keine weiteren Änderungen geben wird. Die beiden bisherigen schwedischen Assistenzcoaches Tomas Montén und Roger Hansson werden Marjamäki assistieren.
Für zwei Tage ist der Finne in die Schweiz gereist, um einerseits mit seinem vormaligen Arbeitgeber EHC Kloten die letzten Dinge zu regeln und andererseits, um sich einen ersten Eindruck von seinem neuen Arbeitsumfeld in Zug zu machen. Unsere Zeitung hatte Gelegenheit, um sich mit dem 48-Jährigen auszutauschen. Man spürt sogleich: Der Finne brennt auf seinen Job. Wir haben seine wichtigsten Aussagen zusammengetragen. Lauri Marjamäki über...
... den Zeitrahmen, in welchem er den Entscheid pro EVZ gefällt hat:
«Zum Zeitpunkt, als Anfang März mit Kloten die Saison zu Ende ging, hätte ich nicht gedacht, dass ich bald beim EVZ an der Bande stehe. Damals war Zug noch kein Thema. Ich habe mit den Klotener Spielern ganz gewöhnlich die Saisonendgespräche geführt und bin dann für drei Wochen nach Spanien in die Ferien gereist. Ich habe dann vom Interesse aus Zug gehört und wurde zu einem Video-Interview eingeladen. Kloten habe ich vorab um Erlaubnis für diese Gespräche gefragt. Für mich wurde schnell klar: Es ist der richtige Moment, um eine neue Herausforderung anzupacken.»
... seinen Entschluss, Kloten zu verlassen:
«Es war eine harte Entscheidung, da ich noch ein Jahr Vertrag hatte. Leider konnte ich mich von den Spielern nicht persönlich verabschieden. Ich habe sie im Team-Chat informiert. Gegenüber Kloten habe ich keine negativen Gefühle. Für die beiden Jahre in Kloten bin ich sehr dankbar. Doch das Angebot vom EVZ konnte ich nicht ausschlagen. Hätte ich abgewunken, hätte ich es wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt bereut. Ich schätze es, dass Ricardo Schödler (
Sportchef EHC Kloten, Anm. d. Red.) für meinen Wechselwunsch Verständnis zeigte und mir keine Steine in den Weg gelegt hat.»
... den Frust von Kloten-Fans, die seinen Abgang kritisieren:
«Natürlich kann ich deren Ärger verstehen. Aber ich glaube nicht, dass ich ein schlechtes Gewissen haben muss. Ich durfte in Kloten meine ersten Erfahrungen als Coach in der Schweiz sammeln, was mich in meiner Persönlichkeitsentwicklung weitergebracht hat.»
... die Argumente, die für den EV Zug gesprochen haben:
«Ehrlich gesagt, habe ich schon länger mit einem Engagement beim EVZ geliebäugelt. Im Herbst 2025 hatte ich meinen in Kloten auslaufenden Vertrag auch deshalb nur um ein Jahr bis 2027 verlängert, da ich mir vorstellen konnte, dass sich dann beim EV Zug ein Fenster öffnet. Ich sehe viel Potenzial im Team, das nicht ausgeschöpft ist. Auch deshalb reizt mich die Aufgabe sehr. Die Menschen, mit denen ich hier arbeite, haben mich mit ihren Ausführungen überzeugt. Ich möchte Teil davon sein, etwas Langfristiges aufzubauen. Der Klub ist europaweit hoch angesehen. Ich habe ihn in den letzten Jahren näher verfolgt. Mir hat sehr imponiert, mit welchem Enthusiasmus Dan Tangnes dort etwas aufgebaut hat.»
... Referenzen, die er vor der Unterschrift eingeholt hat:
«Es mag Sie vielleicht überraschen, aber ich habe kaum mit jemandem gesprochen. Ich möchte ohne Vorurteile und möglichst unvoreingenommen die Aufgabe in Angriff nehmen. Jeder Spieler bekommt bei mir eine neue Chance.»
... Werte, die ihm im Umgang mit Spielern wichtig sind:
«Ich durfte die Schweizer Mentalität in den letzten zwei Jahren kennenlernen. Ich merkte schnell: Viele Spieler sind sehr sensibel.
(lacht) Mein Eindruck ist, dass Spieler in der Schweiz mehr Pflege benötigen als anderswo. Früher war ich als Coach zu verbissen und verkrampft. Ich wollte über alles die Kontrolle haben. Ich habe gelernt, loszulassen. Man muss den Spielern Raum geben und deren Meinungen anhören. Ich will, dass die Spieler Verantwortung übernehmen.»
... seine Ambitionen:
«Ich habe nicht in Zug unterschrieben, um im Mittelfeld herumzudümpeln. Ich habe mich für Zug entschieden, weil ich daran glaube, dass dieses Team Qualitäten besitzt, um vorn mitzuspielen. Alles, was wir machen, machen wir zu hundert Prozent. Wir brauchen viel Herzblut, Leidenschaft und einen sehr grossen Zusammenhalt. Jedem muss bewusst sein, dass er es alleine nicht richten kann. Es braucht alle. Mir ist bewusst, dass die Ergebnisse in den letzten Jahren unter den Erwartungen geblieben sind und viele Fans enttäuscht haben. Es ist gar nicht mal schlecht, dass wir die ersten acht Saisonspiele auswärts bestreiten. Das wird gleich mal ein Härtetest und zeigen, wo wir stehen.»