Willkommen im Kubalik-Zoikum
Im letzten Herbst war ich dienstlich in Minneapolis. Da gerade Aktion war gab es
Übernachtungen im Hotel Four-Seasons zum Schnäppchenpreis. Da muss man einfach
zuschlagen. Ich genoss jeden morgen den edlen und ausgiebigen Wellness Bereich. Nur
wie die Eingabe des Zahlencodes funktioniert, war mir auf die Schnelle nicht ersichtlich,
scheint anders zu funktionieren als normalerweise bei den Zimmertresoren. Doch da war
ein anderer Gast, eher klein und mit sehr grossem Bauch (scheint nicht im OYM zu
trainieren), den ich Fragen konnte; er beschied mir aber, dass er Russe sei und kein
Englisch spreche. Pech gehabt. Nun ich knackte den Code nach etwas probieren doch
noch und das gab mir dann den ganzen Tag ein gutes Gefühl. Der kleine breite Russe drehte
dann seine Runden im Pool während ich es mir, mit BMI 21(trainiere auch nicht im OYM) im
Whirlpool gemütlich machte. Trotz dichtem Programm reichte es am Abend, um ein Spiel
der Wild zu besuchen. Durch meine häufigen Aufenthalte in der Twin City Area, fühle ich
mich in der Arena zu Hause wie in der OYM hall. Besonderes Augenmerk gilt der Nummer
#97, Kyrill Kaprizov. Die Wild haben kürzlich seinen Vertrag verlängert, 17 Millionen im Jahr,
136 Million total. Damit ist Kirill Kaprizov der bestbezahlte Hockey Spieler aller Zeiten.
Seine Eleganz, Schnelligkeit, Stocktechnik, Wendigkeit und Spielintelligenz sind von einem
anderen Stern, aber es fällt noch etwas anderes auf, er geht in jeden Zweikampf und
arbeitet zurück wie ein Defensiv Center. Dabei ist Kirill nur 178 cm gross und nur 87 Kg, ein
Wicht für die NHL. Craig Leopold schrieb über ihn: «One of those ultra rare guys that has a
super star skill set combined with a 4th line grinder tenacity».
Wenn ich so was lese, kommt mir unweigerlich das Gegenstück in den Sinn: Dominik
Kubalik. Für NL-Verhältnisse auch ein Star, aber, und lasse es uns jetzt deutlich sagen,
auch eine faule Diva, die nicht bereit ist, alles fürs Team und den Erfolg zu geben. Aber er
passt zum EVZ seit dem letzten Titel, er ist ein Symbol, ein Beispiel, kein Sündenbock, es
geht schlussendlich auch nicht um diese Personalie, es geht um die verlorene
Leistungskultur, für ein Team, dass über dem Zenit ist und im sinnfreien Raum Hockey als
lästigen Job betrachtet. Und es brauchte einen Trainer wie Benoit Groulx der es wagte dem
Kaiser zu sagen, dass er nackt ist. Herr Groulx hat schon mehr über Hockey vergessen als
andere eh wissen werden. Weltmeister mit der U20-Kanada’s, wobei da wohl der grösste
Verdienst ist den Job überhaupt zu bekommen, Vizemeister in der KHL mit einem
Aussenseiter, und als AHL-Coach in Syracuse und U20-Coach hat er, unter anderen, 6
spätere Stanley Cup Sieger geschliffen. Beispiele von geschliffenen Diamanten? Also gut,
Anthony Cirelli, Braydon Point, Maxime Talbot, Conner McDavid, Sam Reinhard, Max Domi.
Die Liste hat nicht den Anspruch vollständig zu sein. Verständlich, dass ihn da ein Kubalik
nur mässig beeindruckt. Groulx ist in Nordamerika respektiert für die Spielerentwicklung,
starke strukturierte Defensive und «second-effort hockey». Seine Ankunft war für mich eineErlösung, das Eunuchenhockey war vorbei, es wurde wieder schnell und vertikal gespielt,
die Mannschaft zeigte wieder so etwas wie Leben. Auch statistisch war der Fortschritt
messbar, Liniger hatte über 40 Spiele einen Schnitt von 1.4 Punkte pro Spiel, Groulx in 12
spielen 1.56. Und in den Playoff war man in drei von fünf Spielen mit dem Dominator der
Qualifikation nicht nur auf Augenhöhe, sondern sogar leicht besser. Da Zug junge Spieler
einbauen will und dringend wieder eine ernsthafte Leistungskultur braucht ist doch Groulx
ein Glückgriff. Scheinbar ist er aber kein Kandidat für nächste Saison. Will er (Groulx) nicht
oder ist in der Zuger Führung der Grössenwahn ausgebrochen? Nach der Tang(nes)
Dynastie kam der Absturz und das Chaos, wie ich hier vor einem Jahr geschrieben habe.
Scheinbar werden wir uns auf ein längeres Leistungs-Interregnum einstellen müssen. Ich
habe schon einen Namen dafür: das Kubalik-Zoikum.
Ich habe dann nach dem Spiel der Wild noch etwas im WWW herumgesucht und dabei
auch ein Familienphoto der Kaprizov gefunden, inklusive Vater Oleg. Oleg… das ist doch
der Russe aus dem Four-Seasons. Jetzt wird mir etwas klar, das Four-Seasons hat auch
Eigentumswohnungen im Hotel, in vielen Teilen der Welt üblich, und auch Kirill wohnt in
Minneapolis. Der hat doch dort eine Wohnung für sich und eine für seine Eltern gekauft. Ich
habe mal die Priese nachgeschlagen, hoch für Minnesota, aber günstiger als etwas
Vergleichsweises im Kanton Zug. Hatte hier nicht auch Nino N und Kevin F gewohnt, als sie
für die Wild spielten? Ich erinnere mich an entsprechende Home-Stories. In der Lobby am
nächsten Morgen begegnete mir ein grösserer Tross von Männern die nur so nach
Testosteron sprühten, meinte jedenfalls mein Kollege. Siehe da, es war das NHL-Team der
Utah Mammoth, die am nächsten Abend bei den Wild spielten und gerade im Four-
Seasons Quartier bezogen, inklusive eigenes Klub Kamerateam. Jetzt weiss ich in welcher
Hotel Klasse ein NHL-Team absteigt, vermutlich haben die auch vom Rabat profitiert.
Die ganze Woche traf ich dann immer am Morgen Oleg Kaprizov im Wellness Bereich, er
drehte seine Runden und ich fläzte mich im Whirlpool. Alles wie gehabt.