Was läuft eigentlich beim EV Zug? Drei Fragezeichen halten den Sportchef auf Trab
Wer wird neuer Trainer beim EV Zug? Welcher Ausländer ersetzt Daniel Vozenilek? Und wie geht es mit Team-Senior Raphael Diaz weiter? Sportchef Reto Kläy bezieht Position.
Während die meisten Spieler des EV Zug in den Ferien weilen, gibt es für Reto Kläy keinen Grund, auf der faulen Haut zu liegen. Der Sportchef ist geforderter denn je, vor allem am Verhandlungstisch. Er ist bemüht, vorhandene Fragezeichen beiseite zu schaffen. In den letzten Wochen hat er im Rahmen der Saisonanalyse Dutzende Gespräche geführt. Kläys Bilanz: «Es gibt Spieler, die sehr selbstkritisch mit sich ins Gericht gegangen sind, andere hatten eine völlig falsche Wahrnehmung von ihrer persönlichen Leistung.»
Minuten nach dem Playoff-Out kündigte Kläy eine intensive Aufarbeitung an. Man fragte sich, wie heftig die Korrekturen ausfallen würden. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr zog der EVZ gleich bei drei Spielern (Gabriel Carlsson, Niklas Hansson, Fredrik Olofsson) trotz weiterlaufender Verträge die Notbremse.
Obwohl die blasse Ausländer-Fraktion genügend Gründe geliefert hätte, um korrigierend einzugreifen, bleibt es bisher ruhig. Kläy verzichtet auf radikale, kostspielige Massnahmen. Was nicht bedeutet, dass das letzte Wort bereits gesprochen ist. «Ich schliesse nicht aus, dass es noch Veränderungen gibt», erläutert er. In einem tschechischen Online-Medium tauchte kürzlich der Name Dominik Kubalik in Verbindung mit dessen Jugendklub Pilsen auf, der um den tschechischen Stürmer buhlt. Kläy sagt dazu: «Von offizieller Seite hat mit mir niemand gesprochen. Also gibt es keine Anfrage.»
Was klar ist: Durch den Abgang von Daniel Vozenilek wird eine Ausländerposition frei. Der neue Mann soll ein schneller, spielstarker Nummer-1-Center von Top-Format sein. Eine ungemein schwierige Aufgabe für Kläy, denn Import-Diamanten dieser Kategorie sind europaweit begehrt.
Ein weiteres Fragezeichen schwebt über Raphael Diaz. Bleibt der Verteidiger? Oder beendet er seine Karriere? Der 40-Jährige hatte um Bedenkzeit gebeten. Aber offenbar denkt Diaz weiterhin nicht ans Aufhören. Die Tendenz geht Richtung Vertragsverlängerung. Kläy sagt: «Seine Lust am Hockey ist ungebrochen. Es macht aus diversen Gründen Sinn, mit ihm weiterzumachen. Er ist nicht nur auf dem Eis ein Mehrwert, sondern auch wichtig in der Garderobe.» Am Finanziellen soll es nicht scheitern, auch wenn mit Samuel Guerra ab nächster Saison ein Spieler auf der Payroll steht, der zunächst nicht Teil der Zukunftsplanung war.
«Auch ich habe Fehler gemacht und werde mir meine Gedanken machen», merkte Kläy nach dem Saisonende selbstkritisch an. Er trägt als Kaderplaner eine Mitverantwortung für den Misserfolg. Dass er der richtige Baumeister ist, um das Gerüst wieder auf Vordermann zu zimmern, glauben längst nicht mehr alle. Kläy wird seine persönliche Analyse seinem Vorgesetzten, CEO Patrick Lengwiler, erst noch präsentieren müssen. Dennoch ist klar: Kläy leitet weiterhin die sportlichen Geschicke.
Höchste Priorität geniesst die Trainersuche. Der Prozess ist schon länger angelaufen. Der Manager sondiert den Markt und geht auch aktiv auf potenzielle Kandidaten zu. Kläy hat Dutzende Bewerbungen gesichtet und Kandidatengespräche geführt. Trotz zuletzt magerer Jahre scheint das EVZ-Traineramt nicht an Attraktivität eingebüsst zu haben. Es trudeln immer noch Bewerbungsschreiben ein.
Derzeit stehen noch rund fünf Namen auf der Liste, es handelt sich um Trainer mit ausländischem Pass. Der Schweizer Markt gibt nichts her. Der im Januar als Feuerwehrmann installierte Benoît Groulx gehört auch dazu, allerdings hat er nur noch theoretische Chancen. Fachspezifisch genügt der 58-Jährige höchsten Ansprüchen. Doch ebenso wichtig ist die Sozialkompetenz.
Die Rückmeldungen der Spieler boten ein breites Spektrum. «Genau der Mann, den wir brauchen», sagten seine Fürsprecher. Andere kamen mit seiner schonungslos direkten Art überhaupt nicht zurecht. Groulx führte mit harter Hand. Unvergessen, wie er die EVZ-Spieler nach dem blutleeren Auftritt im letzten Qualifikationsspiel in Lugano tags darauf im Training übers Eis hetzte, sodass sich diese auf einem Kasernenhof wähnten.
Zweifellos: In der heutigen Zeit funktioniert ein Top-Down-Befehlsprinzip nicht mehr. «Die Spieler müssen den Trainer nicht lieben, aber der Trainer muss inspirieren und Emotionen vermitteln können. Es braucht eine direkte, ehrliche Art, aber auch ein gewisses Mass an Fingerspitzengefühl», beschreibt Kläy das Anforderungsprofil. Ziel ist, den neuen Mann in den nächsten Wochen zu präsentieren. Unter Zeitdruck setzt sich Reto Kläy nicht. Verständlich, schliesslich soll dieses Mal der richtige Trainer gefunden werden.