«Ich habe nicht von allen Spielern eine Reaktion gesehen»: Der EV Zug erleidet den nächsten Dämpfer
Die 0:7-Schmach von Lausanne hinterlässt Spuren. Die Zuger unterliegen dem auswärtsschwachen EHC Kloten. Während sich die Defensive verbessert zeigt, passt in der Offensive wenig zusammen.
Es war ein heftiger EVZ-Fehlstart. Ein Jahresauftakt mit Kater-Symptomen. Ein Auftritt, der an einen zünftigen Silvester-Rausch erinnert. Goalie Leonardo Genoni betitelte die Darbietung am Berchtoldstag in Lausanne als «peinlich». Einen Tag nach dem blamablen 0:7 stellten sich zwei Fragen: Reicht es wenigstens gegen den EHC Kloten zu einem Sieg? Oder schlittern die Zuger gegen den Tabellenzehnten ins nächste
Ein Debakel wurde es gegen Kloten nicht, nein, aber die Vorstellung bei der 1:2-Heimniederlage bewegte sich irgendwo zwischen biederem Mittelmass und ungenügend. Ausgerechnet gegen die Flughafenstädter, die davor in 17 Auswärtsspielen drei mickrige Siege feiern konnten. Es war definitiv kein Abend, um das angekratzte Selbstvertrauen aufzupolieren.
Zwar lässt sich an der Verteidigungsarbeit wenig herummäkeln. Die Zuger haben ihre Zone meistens im Griff und lassen wenige gefährliche Aktionen zu. Doch am Ende muss das Heimteam dem Gegner gratulieren, weil sich dieser in der zweiten Minute der Verlängerung den Zusatzpunkt sichert. Trainer Michael Liniger drückt sich nach dem Spiel so aus: «Defensiv haben wir das umgesetzt, was wir besprochen haben. Von einigen Spielern habe ich eine Reaktion gesehen, aber nicht von allen.»
EVZ-Leistungsträger bleiben blass
Namen nennt Liniger keine. Doch offensichtlich ist: Designierte Leistungsträger wie Dominik Kubalik oder Tomas Tatar, die als Leader vorangehen sollten, kommen nicht annähernd an ihr Leistungsvermögen heran. Gerade von diesen beiden Top-Stürmern erhoffte man sich eine Reaktion. Denn gegen Lausanne kam Tatar auf eine fürchterliche Minus-5-Bilanz. Auch Kubalik erlebte einen Abend zum Vergessen. Er schlich mit einer Minus-4-Bilanz vom Eis. Doch gegen Kloten können sie ihre Klasse nicht ausspielen.
Der noch gegen Lausanne abwesende Jan Kovar ist auch nicht in der Lage, das Team anzutreiben. Der Captain kann das Spiel nicht befeuern. Im Gegenteil: Ihm unterlaufen Fehler, die für den Tschechen untypisch sind.
«Der letzte Wille hat gefehlt, den Puck reinzuwürgen», hadert Liniger. Gegen Lausanne patzt die Abwehr, gegen Kloten ist in der Offensive kaum etwas los. «Es ist sehr frustrierend», gibt Liniger offen und ehrlich zu. Aufgrund der Niederlage reisst auch die stolze Heimserie. Seit dem 21. November hat der EVZ daheim nicht mehr verloren.
Topskorer Kubalik lässt zwar zu Spielbeginn drei Abschlüsse innert Kürze folgen, doch anschliessend werden viele Angriffsbemühungen mit wenig Durchschlagskraft ausgetragen. Auf dem Eis geht es ebenso wenig zur Sache wie im Stadionrund. Die Anfeuerungsrufe der Fans sind zurückhaltend. «Man hat in den ersten 20 Minuten gesehen, dass das Team nach dem Lausanne-Spiel verunsichert war», erläutert Liniger.
Verunsicherung und Unentschlossenheit führen beim EVZ zu Missverständnissen, Puckverlusten und falschen Entscheidungen. Sven Senteler versucht in den Schlusssekunden des ersten Drittels bei einem Kampf an der Bande Emotionen ins Spiel zu tragen. Senteler ist einer der wenigen Akteure, die positiv in Erscheinung treten. Der Stürmer rackert, kämpft und versucht beispielhaft voranzugehen. Später sagt er: «Es ist sehr bitter. Ich hatte das Gefühl, dass wir am Schluss auf ein Tor gepowert haben, leider konnten wir uns nicht belohnen.»
Genoni hat nicht viel Arbeit, er wird selten geprüft. Doch den Klotenern kommt in der 24. Minute ein Zuger Fehler zu Hilfe. Grégory Hofmann vertändelt den Puck. Auch Tobias Geisser kann Stürmer Brandon Gignac nicht mehr stoppen. Dieser erwischt Genoni über der Fanghand.
Bis auf einen Pfostenschuss von David Sklenicka (35.) sind hochkarätige Chancen Mangelware. Das Heimteam wirkt verkrampft. Vermeintlich einfache Pässe landen beim Gegner oder im Nirgendwo. «Haarsträubend», so Linigers Kommentar. «Die Chancen, die sich Kloten erarbeiten konnte, entstanden durch krasse Fehler von unserer Seite.»
Nach dem torlosen Spiel in Lausanne scheint der EV Zug zwei weitere Drittel ohne Torerfolg überdauern zu müssen. Doch Senteler hat etwas dagegen. Der Stürmer schnappt sich den Puck hinter dem eigenen Tor, gleitet über das ganze Feld, umkurvt das Klotener Tor und bringt den Puck vor das Tor. Via Schlittschuhkufe von Andreas Wingerli kullert die Scheibe zwei Sekunden vor der Pausensirene über die Torlinie. Es ist der einzige EVZ-Torjubel.
Liniger ist bewusst, dass nach zwei unbefriedigenden Leistungen der Rank gefunden werden muss, um den Anschluss an einen Playoff-Rang zu halten. «Wir benötigen eine Steigerung im Kollektiv. Wir müssen uns der aktuellen Situation stellen und die Herausforderungen annehmen.» Die nächste heisst HC Ambri-Piotta.