«Wir haben die Beine im Bus vergessen»: Wache Davoser erteilen schläfrigen Zugern eine Lektion
Von
Philipp Zurfluh, Davos
27.01.2026, 23.36 Uhr
Harter Aufprall für den EV Zug im Landwassertal: Ein Albtraum-Start und ein nicht funktionierendes Powerplay führen zur verdienten 1:4-Niederlage.
Im eigenen Stadion ist der HC Davos eine Macht und brilliert in dieser Saison mit einer fantastischen Siegquote. Von den 20 Heimspielenentschied er deren 18 für sich. Auch der EV Zug steht im Revier der Bündner auf verlorenem Posten. Den 4:1-Erfolg verdient sich die Mannschaft von Headcoach Josh Holden, weil sie konsequenter und abgebrühter agiert.
Der gefeierte Mann ist Doppeltorschütze Brendan Lemieux, der sich kurz vor Ende mit Daniel Vozenilek einen Boxkampf liefert – zur grossen Belustigung des Publikums. Während beim Heimteam die Söldner insgesamt vier Skorerpunkte sammeln, herrscht auf der anderen Seite gähnende Leere. Die Stürmer Dominik Kubalik, Tomas Tatar, Jan Kovar und Vozenilek glänzen an diesem Abend durch Unauffälligkeit. Captain Kovar will nichts schönreden: «Gegen ein Top-Team wie Davos reicht eine solche Leistung nicht. Die Puckbehandlung war sehr schlecht.»
Anders sieht die Lage beim HCD aus: Dort scheint es derzeit keine Rolle zu spielen, welche Ausländer auf dem Eis stehen. Wie stark der Kader besetzt ist, zeigt sich nur schon daran, dass Stürmerstar Filip Zadina – notabene 20-facher Saisontorschütze – als überzählig gelistet ist.
Nach 37 Sekunden ist der EVZ in Geberlaune
Die Herausforderung im Landwassertal wird zusätzlich erschwert, weil der EVZ auf einen Spieler verzichten muss, der in den letzten Wochen einer der wenigen Kreativposten war: Grégory Hofmann brach am Montag das Training wegen muskulärer Probleme ab. Deswegen fiel der Flügelstürmer aus. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine Vorsichtsmassnahme. Ein weiterer Akteur, der schmerzlich vermisst wird, ist Abwehrboss Lukas Bengtsson. Der EV Zug hofft und ist gleichzeitig zuversichtlich, dass der Schwede die Olympia-Pause für den Formaufbau optimal nutzen kann, um bei der Wiederaufnahme der Meisterschaft bei vollen Kräften zu sein.
Das Heimteam zaubert einen Traumstart aufs Eis. Nach 37 Sekunden ist Goalie Leonardo Genoni bezwungen. Allerdings geht dem Treffer ein Patzer von Tobias Geisser voraus. Der Verteidiger macht in der Mittelzone keine gute Figur. Die Zuger müssen in der 6. Minute gleich den nächsten Schock verdauen. Kubalik lässt Landsmann Stransky etwas gar viele Freiheiten. Dieser legt für Sven Jung ab, der von der blauen Linie trifft. Genoni ist von Schuld freizusprechen, da ihm die Sicht verdeckt ist. Zudem wird der Puck noch leicht abgefälscht.
Der Ärger von Trainer Benoît Groulx ist nach dem Spiel dementsprechend gross: «Wir haben die Beine im Bus vergessen. Es hat zu lange gedauert, bis wir den Tritt gefunden haben. Das Spiel hat uns vor Augen geführt, in welchen Bereichen wir den Hebel ansetzen müssen.»
Beim EVZ funktionieren die Automatismen in der Vorwärtsbewegung nicht. Obwohl im ersten Drittel zweimal in Überzahl agierend, ist HCD-Keeper Sandro Aeschlimann überwiegend arbeitslos. Von den sportlichen Sorgen, welche die Zuger plagen, scheinen die Bündner weit entfernt. Das Team operiert wie eine perfekt geölte Maschine und kann jederzeit einen Gang höher schalten, sofern es erforderlich scheint.Dem EV Zug gelingt es, im Mitteldrittel das Geschehen ausgeglichener zu gestalten. Die Bemühungen sind da, aber er prallt immer wieder an der HCD-Abwehr ab. Der Tabellenführer erweckt zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass er das Spiel aus den Händen geben könnte. Die Zuger finden spielerisch keine Lösungen. Die Entscheidungsfindung beim puckführenden Spieler dauert zu lange. Kovar (31.) und Nando Eggenberger (33.) kommen zu zwei guten Chancen, mehr lässt das Heimteam nicht zu.Das in dieser Saison sonst gute Powerplay – ligaweit das zweitbeste – funktioniert gegen Davos überhaupt nicht. Insgesamt lässt der EV Zug vier Überzahlsituationen ungenutzt verstreichen. Unpräzise Pässe führen dazu, dass der Puck nicht schnell genug zirkulieren kann. Aeschlimann muss sich praktisch nie beweisen.Wie man ein Powerplay praktiziert, demonstriert der HCD in der 42. Minute: Valentin Nussbaumer legt quer auf Lemieux, der mit dem 3:0 für die Vorentscheidung sorgt. Es passt ins Bild eines verunglückten Abends, dass Genoni einen harmlosen Schuss von Tino Kessler (45.) passieren lässt. Das 1:4 durch Sven Senteler (51.) ist lediglich Resultatkosmetik. Ein Abend zum Nachdenken für den EVZ, die Arbeit geht dem neuen Trainer nicht aus.