Lino Martschini: «Ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir»
Der 33-jährige EVZ-Flügelstürmer hat im Oktober einen Kreuzbandriss erlitten. Sein Aufbautraining verläuft nach Plan: Im August will er mit den Teamkollegen wieder auf dem Eis stehen - und sich für einen neuen Vertrag aufdrängen.
In den sozialen Medien kursiert ein Video, das Lino Martschini in der Zuger Fankurve zeigt. Er hält ein Megafon und stimmt ein Lied an. Die Fans singen und skandieren seinen Namen. Im Play-In in Rapperswil war das.Martschini war mit dem Fancar angereist und mischte sich in der St. Galler Kantonalbank Arena unters Publikum, so hatte er es vorgängig mit einem Anhänger abgemacht. Der EVZ verlor das Spiel mit 1:2, qualifizierte sich aber dennoch für die Playoffs. Martschini sagt: «Ich war mit 15 letztmals in der Kurve. Es hat grossen Spass gemacht, und es war ein erfolgreicher Abend für uns alle.»
Mit dieser Aktion wollte Martschini den Fans etwas zurückgeben. «Seit meiner Kindheit beim EVZ spüre ich von allen Seiten nur Unterstützung - egal, ob ich eine schlechte Phase habe oder gut spiele», sagt er.«Ich werde immer mit Respekt behandelt. Der Klub lebt vom Support der Fans. Wir sind wie eine grosse Familie.» Dass sich Martschini überhaupt zu den Fans gesellen konnte, hat einen Grund: Der Flügelstürmer verletzte sich Ende Oktober im Spiel gegen Langnau gravierend. Bei einer Direktabnahme legte er sich in den Schuss - genau so, wie er es tagtäglich übt.Doch diesmal blieb er mit dem Schlittschuh hängen, knickte ein und fiel über die eigenen Beine. «Zum ersten Mal musste ich ein Spiel vorzeitig beenden», sagt Martschini. Die niederschmetternde Diagnose: Kreuzbandriss-
Meniskusschaden und Saisonaus.Beim Zuschauen wird er nervös Es ist die erste schwere Verletzung in Martschinis Karriere und dies in seiner 14. Saison als Profi.«Am Anfang war es schwierig. Es tut schon weh, nicht aufs Eis gehen zu können.Aber ich versuche, mit einem Lächeln ins Aufbautraining zu kommen», sagt der 33-jährige Luzerner. Wichtig ist für ihn, dass er Fortschritte sieht. Er hat sich Wochenziele gesetzt, in kleinen Etappen kann er Erfolgserlebnisse feiern. Mittlerweile macht er wieder umfangreiche Kraftübungen und Sprünge. Ab August will er vollumfänglich mit dem Team trainieren. Martschini sagt: «Es braucht viel Selbstdisziplin, aber ich bin schon etwas stolz auf meine Entwicklung. Der Fahrplan stimmt. Und ich fühlte mich bei den Ärzten und in der Reha stets gut aufgehoben.»Eine grosse Rolle spielt auch die Unterstützung der Familie.Durch den geregelten Arbeitstag hatte er genug Zeit, Sohn Elliot, 4, ins Hockeytraining und Tochter Riley, 6, zum Kunsturnen und Eiskunstlaufen zu begleiten. Er schätzt es auch, dass er gelegentlich an einem Spieltag zu Hause in Buchrain gemütlich mit seiner Frau Cynthia kochen kann. Die Heimspiele verfolgt er fur gewöhnlich auf der
Medientribune in der Halle. «Ich bin ein nervöser Zuschauer und fühle mich wie ein Fan. Ich bin schon fast vom Sitz gefallen, weil ich so mitfiebere», sagt Martschini mit
einem Schmunzeln. Mit den Teamkollegen tauscht er sich
täglich aus. «Die Glücksgefühle auf dem Eis, zum Beispiel nach einem Tor oder einem Sieg, vermisse ich am meisten.»
Der EVZ ist sein Herzensklub
Tore und Siege konnte Martschini mit dem EV Zug schon oft feiern.Seine Explosivität, seine Dynamik und sein Instinkt haben dem Team in dieser Saison merklich gefehlt. 744 Spiele hat der wirbelige Stürmer für den EVZ in der höchsten Liga bereits bestritten und dabei 260 Treffer erzielt, gleich viele wie die Zuger Legende Heinz Jenni. Noch ein Tor fehlt ihm für den alleinigen klubeigenen Rekord. Lino Martschini ist eine Identifikationsfigur in der Organisation, ein Fan-Liebling. Sein Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Und es ist kein Geheimnis, dass er gerne in Zug bleiben würde. Er sagt: «Der EVZ ist mein
Herzensklub.»Klar habe er sich schon Gedanken darüber gemacht, was nach seiner Profikarriere folgen wurde. Derzeit absolviert er eine Ausbildung in Sportmanagement. Während der Verletzungspause ist ihm aber klar ge-worden: Er sieht sich weiterhin als Spieler. «Ich weiss, dass ich noch ein paar gute jahre vor mir habe. Aber mir ist auch bewusst, dass es ein Business ist. Ich will mir definitiv einen neuen Vertrag erspielen.» Die Fans jedenfalls würden sich bestimmt freuen, wenn Lino Martschini ihnen noch lange erhalten bliebe am liebsten natürlich auf dem Eis.
LZ