Der EV Zug gibt ein tristes Gesamtbild ab – der Druck auf Trainer Liniger wird nach der schwachen Darbietung grösser
Die Auswärtsmisere und der Negativtrend halten an: Der EVZ erhält die Quittung für eine ungenügende Leistung und geht beim HC Ambri-Piotta 0:4 unter.
Im Falle, dass die Fans vor der Reise ins Tessin die Auftritte des EV Zug in den letzten zwei Monaten auf fremdem Eis studiert hatten, machte sich bereits ein unwohles Gefühl breit. Die miserable Bilanz: Seit dem 30. Oktober warten die Zuger auswärts auf ein Erfolgserlebnis.
Und die beiden ersten Spiele im 2026 gaben wenig Anlass, dass die Trendwende gelingt. Auch gegen Ambri-Piotta dreht die Abwärtsspirale weiter. So machten sich die Fans nach der 0:4-Pleite mit einem Gefühlsmix aus Enttäuschung, Ärger und Fassungslosigkeit auf den Heimweg. Es war so etwas wie die Zusammenfassung des Abends aus Zuger Optik. «Ja, es war eine ungenügende Leistung. Das kann ich nicht schönreden», sagt Trainer Michael Liniger. Bereits der Blick aufs Matchblatt verheisst nichts Gutes: Abwehrchef Lukas Bengtsson kann verletzungsbedingt nicht mittun.
Eine «Jetzt-erst-recht-Attitüde» hat man erwartet, doch davon ist nichts zu spüren. «Das war von A bis Z zu wenig. Hinten agierten wir anfällig und vorne viel zu harmlos», konstatiert Stürmer Sven Leuenberger.
Genoni rettet mehrmals für seine Vorderleute
Für diese Niederlage gibt es viele Gründe. In ihrer Summe gesehen sind sie umfangreich: Geschwindigkeit, Überzeugung, Intensität, Aggressivität – in diesen Bereichen ist der EV Zug durchgefallen. Was alarmierend ist: 1 Tor aus den letzten drei Spielen. Eine Zahl, welche das Defizit schonungslos offenlegt. Leuenberger sagt: «Wir waren zu verkrampft im Kopf. Es liegt an jedem Einzelnen, sich zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen. Das fängt bei mir an.»
Zug hat nichts unversucht gelassen und die beiden U20-Nationalspieler Loris Wey und Robin Antenen einige Tage früher von Kanada zurückbeordert, wo die Weltmeisterschaft über die Bühne gegangen ist. Doch es wäre vermessen gewesen, von den beiden Teenagern zu verlangen, den Umschwung herbeizuführen.
Bereits zu Beginn passt wenig zusammen: Ambri-Goalie Philip Wüthrich wird kaum gefordert. Die gefährlichen Torszenen spielen sich vor den Augen seines Antipoden ab. Zug kann sich bei Leonardo Genoni bedanken. Dreimal pariert er stark. Die Gäste finden nicht in den Rhythmus, wirken gehemmt, ja gar ängstlich. Liniger stellt ein «hohes Stresslevel» fest, was viele Aussetzer zur Folge hat. Liniger: «Die Erwartungen an uns sind ganz andere. Das ist uns völlig bewusst.»
Weshalb die Zuger die erste Spielhälfte ohne Gegentreffer überstehen, ist einerseits Genoni zu verdanken. Andererseits einem Ambri, das auf einem überschaubaren Niveau spielt (acht Niederlagen aus den letzten zehn Spielen). Doch selbst gegen die Tessiner kann sich der EV Zug nicht profilieren.
Der Führungstreffer des Heimteams in der 34. Minute geht mehr als nur in Ordnung, auch wenn das Verdikt der Referees, bei der Szene auf Penalty zu entscheiden, höchst fragwürdig erscheint.
Was, wenn es im Kollektiv nicht klappt? Dann müssten es eben die besten Individualisten richten. Diese enttäuschen jedoch einmal mehr. Der «Ostblock» mit Jan Kovar, Dominik Kubalik und Tomas Tatar spielt unter den Erwartungen. Niemand ist in der Lage, für den Unterschied zu sorgen.
Liniger hat gefordert, für mehr Verkehr vor dem Tor zu sorgen, um bei Abprallern zur Stelle zu sein. Doch Keeper Wüthrich hat oft freie Sicht. Zwar ist die Bemühung im Schlussdrittel vorhanden, sich zurückzukämpfen, doch ein Doppelschlag (48./50.) zerstört die Hoffnungen.
Haben beim EVZ nicht alle die Lage begriffen, in der man sich befindet? Genoni winkt ab: «Wir müssen gemeinsam aus diesem Tief kommen und das Selbstvertrauen holen, das uns fehlt.» Liniger verneint, dass er sich von den Spielern im Stich gelassen fühlt. «Ich trage die Verantwortung für das Team. Ich muss jetzt klaren Kopf behalten und darf mich nicht von den Emotionen leiten lassen.» Klar ist: Der Druck auf Liniger und Co. wird grösser.