«Da fühlt man sich hilflos»: Der EV Zug ist total von der Rolle – und wird mit Pfiffen von den Fans verabschiedet
Die Krise nimmt immer grössere Ausmasse an: Die Zuger liefern eine völlig uninspirierte Leistung ab und unterliegen Lugano 2:3. Erhält Trainer Michael Liniger am Freitag gegen Schlusslicht Ajoie noch eine letzte Chance?Es war der 21. November, als sich der EV Zug und der HC Lugano letztmals gegenüber standen. Überschattet wurde das Spiel von einem unrühmlichen Zwischenfall. Ausgerechnet Ex-EVZ-Stürmer Dario Simion fuhr Leonardo Genoni über den Haufen. Der Nati-Goalie erlitt eine leichte Gehirnerschütterung und musste knapp einen Monat pausieren. Genoni kam zurück und befindet sich in exzellenter Form. Dass der EVZ in diesem Jahr gegen die ZSC Lions und Fribourg-Gottéron immerhin je einen Punkt gesammelt hat, ist allein dem 38-Jährigen zu verdanken.
Doch um Genoni während des monströsen Januar-Programms – 15 Spiele innert 30 Tagen – die nötigen Ruhepausen zu gönnen, steht gegen Lugano Tim Wolf zwischen den Pfosten. An seinen letzten Auftritt hat Wolf albtraumhafte Erinnerungen. Am 2. Januar wird er in Lausanne nach fünf Gegentoren und 30 Minuten ausgewechselt. Das 0:7-Debakel ist der Anfang der anhaltenden Resultat- und Formkrise. Diese setzt sich auch gestern gegen Lugano fort (2:3-Niederlage). Mittlerweile hat Zug wettbewerbsübergreifend sieben Partien in Serie verloren.
Lugano dominiert Mitteldrittel mit 21:4-Schüssen
Frustriert, enttäuscht, hilflos, niedergeschlagen. Bei Trainer Michael Liniger kommen gerade viele Gefühle zusammen. Er macht einen sichtlich angekratzten Eindruck. «Ja, unser Passspiel ist teilweise erschreckend. Da fühlt man sich hilflos.»Den Glauben daran, dass das Team, der negativen Entwicklung der letzten Wochen zum Trotz, doch noch den Turnaround schafft, hat Sportchef Reto Kläy (noch) nicht verloren. Dies bekräftigte er vor dem Lugano-Spiel: «Das System ist nicht das Problem, es ist die Ausführung.» Ob Kläy nach dem neuerlichen Tiefschlag immer noch diese Ansicht vertritt?Nach dem phasenweise haarsträubenden Abwehrverhalten im Champions-League-Halbfinal gegen Lulea legt der EVZ den Fokus auf eine funktionierende Defensive. Das gelingt nur zu Beginn. Die Mannschaften begegnen sich auf Augenhöhe, ohne nennenswerte spielerische Höhepunkte. Die Zuger zeigen sich verbessert, doch beim Kreieren von Torchancen bekunden sie nach wie vor allergrösste Mühe. Lugano-Keeper Niklas Schlegel ist praktisch arbeitslos, auszeichnen muss er sich im ersten Drittel nie. Den bis Ende des Startabschnitts ebenfalls harmlosen Luganesi reicht ein schneller Angriff, um das Skore zu eröffnen. Topskorer Luca Fazzini (19.) wird zu viel Platz gewährt.
Jene Fans, die im Mitteldrittel eine Steigerung erwartet hatten, werden schwer enttäuscht. Bereits bei der Spielauslösung harzt es gewaltig. Zusammenhängende Spielzüge? Fehlanzeige. Die Mannschaft verärgert ihren Anhang mit spielerischem Leerlauf. Zug ist so leicht auszurechnen wie eine Einmaleins-Aufgabe auf dem Taschenrechner. Das Torschussverhältnis von 4:21 im zweiten Drittel spricht Bände.
Weil Wolf in der 33. Minute keine gute Figur macht und in der 37. Minute die Zuger Lugano-Angreifer Lorenzo Canonica nicht stoppen können, ziehen die Gäste auf 3:0 davon. Das einzig Positive: Grégory Hofmann (38.) erzielt das EVZ-Premierentor. Doch symptomatisch für die besorgniserregende Verfassung, in der sich der EV Zug befindet, ist eine Szene, die sich keine Minute später abspielt: Verteidiger David Sklenicka (39.) erweist seinem Team einen Bärendienst, in dem er mit dem Stock einen hässlichen Cross-Check begeht. Das Vergehen wird mit einer Fünf-Minuten-Strafe sanktioniert, Sklenicka wird unter die Dusche geschickt.
Zwar übersteht der EV Zug die fünfminütige Unterzahlsituation, doch im letzten Drittel ist von einer Schlussoffensive wenig zu sehen. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Hofmanns 2:3-Anschlusstor 22 Sekunden vor Schluss ist Resultatkosmetik. Die Fans haben genug gesehen. Nach der Partie gibt es erstmals in dieser Saison Pfiffe aus dem Publikum.Wie weiter? Darf Liniger weiterhin den Ton angeben? Bekommt er am Freitag gegen Schlusslicht Ajoie das Spiel der letzten Chance? Die Vorstellung gegen Lugano hat offenbart, dass der EVZ ungebremst in eine Sackgasse zusteuert.