Der EV Zug scheitert im Playoff-Viertelfinal - die Analyse zur missratenen Saison
Viele Probleme: Der EVZ sucht seine Identität
Der EV Zug ist in der Viertelfinal-Serie mit 1:4 gegen den HC Davos gescheitert. Es gibt nichts schönzureden. Die Zuger haben elf der letzten zwölf Playoff-Partien verloren eine klägliche Bilanz. Wäre gegen einen anderen Gegner mehr drin gelegen? Vielleicht. Aber der EVZ hat bekommen, was er verdient. In den Playoffs beginnt eben nicht alles bei null, wie gewisse Exponenten krampfhaft und gebetsmühlenartig versucht haben zu suggerieren. Denn wer im Herbst oder spätestens im Winter Gewohnheiten verinnerlicht und den Teamspirit stärkt, kann im Frühling davon zehren.Man muss sich vor Augen halten: Mit 1,053 Punkten pro Spiel (Qualifikation) liegt Zug in der Jahrestabelle auf Rang 13 nur Ajoie schnitt noch schlechter ab. Der EV Zug schaffte es während sechs Monaten nicht, drei Spiele in Serie zu gewinnen. Dem Team fehlt es an Lernfähigkeit, Temperament und Ausstrahlung. Im Sport spricht man gern von Winner-Mentalität. Zug ist sie nicht erst seit dieser Spielzeit abhandengekommen. Beispiel gefällig? Im letzten Qualispiel bot der EVZ eine solch schäbige Vorstellung, dass sich der Trainer veranlasst sah, ein Straftraining zu verordnen.Eine Bankrotterklärung.Der EVZ hat zwar erfahrene Spieler, die in Krisenzeiten vorangehen müssten. Doch sie taten es nicht. Kein Aggressivleader in Sicht, der die spielerische Blockade und Lethargie vom Platz scheuchen kann.Diskutiert wurde dieses Manko öfter. Nach der letzten missratenen Saison sagte Sportchef Reto Kläy: «Wir haben jeden Stein umgedreht». Falls dem so wäre: Es hat nicht geholfen.Das Scheitern hat mehrere Gesichter und Gründe. Eine unheimliche Verletzungswelle
(mehr als fünf Verletzte pro Spiel), Leistungstiefs zu vieler Akteure und emotionslose Auftritte führten zu einer noch nie dagewesenen
Niederlagenserie von zehn Spielen. Die Krise gipfelte in der Absetzung von Trainer Michael Liniger. Nur schon die Tatsache, dass es im Januar zu einem Wechsel auf der Trainer-Position kommen musste, stellt dem Team ein miserables Zeugnis aus. «Diese Mannschaft ist tot», klagte niemand Geringeres als CEO Patrick Lengwiler. Ein vernichtendes Urteil.
Schlussendlich kaschierte die Rochade nur tieferliegende Probleme. Notnagel Benoit Groulx versuchte unter schwierigen Bedingungen zu retten, was zu retten war. Doch es existieren zu viele Probleme, die nicht mit einem Handgriff aus der Welt zu schaffen sind.Ja, die Verantwortlichen erhielten im Sommer viel Lob für die Transfers, auch von unserer Zeitung. So wurde Dominik Kubalik zugetraut, der neue X-Faktor zu sein. Doch statt im Frühling aufzublühen, verwelkte die Kubalik-Blüte. Dreimal wurde er aus dem Kader gestrichen. Der Tscheche wird seine Versäumnisse (schlechte Defensivarbeit) selbstkritisch reflektieren müssen, sonst ist eine weitere Zusammenarbeit im Vorhinein zum Scheitern verurteilt.Fakt ist: Zugs Ausländer Delegation gehörte zu den schwächsten der ganzen Liga.Da wäre die Personalie Daniel Vozenilek: Einen so tiefen Punkteschnitt pro Spiel (0,36) hatte seit Jahrzehnten kein ausländischer EVZ-Stürmer, der mindestens 35 Partien absolviert hat. Oder der glücklose Tomas Tatar
(2 Tore aus den letzten 18 Spielen)
Der Slowake war für die Mittelachse eingeplant, doch rasch wurde ersichtlich, er ist nun mal kein Vollblut-Center. Kein Wunder hat er seine besten Spiele in Zug auf dem Flügel bestritten. 25 Mal wurde er als Center eingesetzt, 23 Mal als Flügel. Wie soll da so etwas wie Konstanz entstehen?Die grösste Baustelle ist die Center-Position. Diese ist von höchster Bedeutung, weil der Mittelstürmer das Spiel ankurbelt und die Nebenmänner mit Pässen füttert. Zwar verfügt Zug über «Sniper» wie Lino Martschini, Grégory Hofmann oder Kubalik. Doch Top-Flügel nützen nichts, wenn sie «verhungern».Jan Kovar wäre prädestiniert dafür. Doch er ist nicht mehr in der Lage, die erste Geige zu spielen. Mit der damaligen Vertragsverlängerung um zwei Jahre (bis 2027) ging der Verein ein viel zu grosses Risiko ein, auch wenn es menschlich aufgrund seiner Verdienste nachvollziehbar ist. Kovar ist oft nur noch Bremsklotz statt Antreiber. Selbst intern gibt es erhebliche Zweifel, ob er noch tragbar ist. Der Tscheche hat kaum noch Fürsprecher. Auch punkto Physis bestehen Be-denken. Kovar soll schon mehrmals aufgrund «inakzeptabler Werte» ins Büro des Sportchefs zitiert worden sein.In der aktuellen Verfassung ist er seine Ausländerlizenz nicht wert, so viel Ehrlichkeit gehört dazu.
Trotz aller Schwachstellen gibt es auch Lichtblicke: Aufstrebende Youngster wie Colin Lindemann, Loris Wey oder Robin Antenen haben Leistungssprünge vollzogen.Der
20 Jährige Lindemann war jüngst gar einer der konstantesten Angreifer. Auch in der Champions League (Halbfinal) hat sich Zug beachtlich aus der Aftare gezogen. Indizien, die zeigen, was möglich wäre, wenn die Einstellung stimmt.Sportchef Reto Klay ist gefordert. Doch kann er die richtigen Knöpfe drücken? Es gibt nicht wenige Stimmen, die ihm das nicht zutrauen. Denn sein Leistungsausweis genügt nicht den formulierten Ansprüchen, wenn man seine Bilanz der letzten Jahre unter die Lupe nimmt. Das macht ihn angreifbar. Es geht auch um seine Zukunft. Sicher ist der Besetzung der Center-Position muss höchste Priorität eingeräumt werden. Das Team benötigt einen spiel-und laufstarken Spieler im besten Hockeyalter.Nach der missratenen Saison stellt sich die Frage: Wofür will der EVZ eigentlich stehen? Es liegt an Spieler, Trainer, Sportchef und CEO, dass sich wieder eine klare Identität herauskristallisiert: Ein Patentrezept, um eine
Siegermentalität zu entwickeln, gibt es nicht. Klar ist nur: Sie muss in der Kabine entstehen.
LZ