Wie sich der Erosionsprozess beim EV Zug stoppen lässt
Um wieder in die sportliche Erfolgsspur zu kommen, braucht es beim Zuger Eishockeyklub Veränderungen. EVZ-Kolumnist Reto Steinmann sagt, welche seiner Meinung nach nötig wären.
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Die Baustelle Eishalle ist gesichert durch schwarze Planen, auf welchen der Schriftzug «Raum für Leidenschaft – OYM Hall» ziert. Der Schriftzug regt zum Nachdenken an und führt zu Fragen: Ist schwarz die neue Farbe für Leidenschaft? Oder ist eher schwarzer Humor gemeint? Die zentrale Frage aber lautet, wessen Leidenschaft?
Jene der Zuschauer, die sich in den letzten neun Monaten weit mehr geärgert als gefreut haben über das Gebotene, kann es nicht sein. Jene von namhaften Sponsoren und Vertretern der Gönnervereinigungen auch nicht, denn sie sind frustriert über die dritte missratene Spielzeit de suite mit vielen Entbehrungen und Enttäuschungen. Und gegenwärtig deutet nichts darauf hin, dass der Fall ins sportliche Koma verhindert werden könnte. Der EVZ läuft Gefahr, vom Räderwerk der Realität zerrieben zu werden. Dort, wo die Kassandrarufe gehört werden müssten, will man sie nicht hören. Der Erosionsprozess geht weiter. Die Zeit wartet auf niemanden.
Wie lässt sich der freie Fall in das sportliche Niemandsland aufhalten? Wie lassen sich die angejahrten Strukturen entstauben? Die Idee: Die EVZ Holding AG, wirtschaftlich beherrscht von Hans-Peter Strebel, gibt die Aktienmehrheit an zwei der fünf in hundertprozentigem Besitz sich befindenden Tochtergesellschaften, nämlich der EVZ Sport AG und der EVZ Nachwuchs AG, ab. Zum einen Teil an den Eissportverein Zug, zum anderen Teil an namhafte Zuger Geldgeber, die im Hintergrund bereitstehen.
Damit einher geht eine Neubesetzung des Verwaltungsrates, mit Personen, die Erfahrung mitbringen in der Führung eines Unternehmens und vertraut sind mit den Eigen- und Besonderheiten des Mannschaftssports. So lässt sich die längst toxisch gewordene Verbindung zwischen dem EVZ und dem OYM auflösen, inklusive den Knebelvertrag mit Kosten für den EVZ von drei Millionen pro Jahr. Das Herti-Heimatgefühl, der Geist in der Kabine als Gravitationszentrum einer Mannschaft und die «familiäre» Verbindung der Spieler mit den übrigen EVZ-Angestellten können zusammen mit der Halle restauriert werden.
Das OYM in Cham ist zwar weiterhin wohl auf der Welt einzigartig, was Logistik, Reha und College betrifft. Aber die Spieler haben es satt, dort quasi ein- und ausgehen zu müssen. Nicht zufällig hat die Organisation der ZSC Lions (mit einem Budget von 75 Millionen und fast 1800 Spieler und Spielerinnen die mit Abstand grösste der Schweiz) in der Swisslife-Arena alles unter einem Dach vereint, also auch das Off-Eis-Training.
Durch die Entkoppelung vom OYM wird der EVZ seine Fitnesstrainer wieder selbst rekrutieren und dadurch vor deren Verpflichtung sicherstellen, dass es sich um Personen handelt, die ihr Handwerk verstehen, um bei den Spielern die richtige Mischung aus Rohkraft, Schnellkraft, Ausdauer und Spritzigkeit zu erreichen.
Dem EVZ eigen ist ab der Beendigung der Stadionerweiterung auch die Entscheidung, wo er seine Eis- und Off-Eis-Trainings bestreiten will. Sollte dies teilweise im OYM sein, kann der EVZ wie jeder andere Kunde dort auch seine Vorstellungen inklusive Entschädigung wieder selbst einbringen und verhandeln mit der Gegenseite. Hinzu kommt, dass gute Schweizer Spieler den Arbeitsort Zug sich eher wieder vorstellen können, wenn sie wissen, dass Art und Ort insbesondere des Off-Ice-Trainings sich an bewährten, bei allen anderen Klubs üblichen Mustern orientieren.