Balsam für die Seele
Nach 30 Tagen ohne Erfolg gelingt die dringend benötigte Korrektur: Der EV Zug versüsst seinem neuen Trainer die Feuertaufe und siegt 2:1
Zehnmal in Folge hat der
EV Zug nicht gewinnen können.
Seit 30 Tagen und seit dem
23. Dezember und dem starken Auftritt gegen Leader HC Davos lechzen die Zuger nach einem Erfolgserlebnis. Das strapaziert die Nerven aller Beteiligten. Und so sind die drei Punkte viel Balsam auf die geschundene Zuger Seele. Als Stürmer Sven Leuenberger zum Interview schreitet, hat er ein Lächeln auf den Lippen und sagt: «Wir mussten lange Zeit unten durch.
Ein schöhes Gefühl, wieder auf der anderen Seite zu stehen.»
«Neue Besen kehren besser», besagt ein altbekanntes Sprichwort, welches im Sport gerne nach Trainerwechseln angewendet wird. Eine neue Stimme, eine neue Dynamik, kann durchaus Schwung in die Bude bringen.Beim Einstand des neuen Chefs an der Bande, Benoit Groulx, ist eine Mannschaft zu beobachten, die zwar bei weitem nicht alles, aber vieles richtig macht. Und am Ende etwas glücklich, aber nicht unverdient mit 2:1 siegt. Groulx frohlockt: «Ich habe ein Team gesehen, das unbedingt gewinnen wollte.Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.»
Genoni pariert nach
90 Sekunden sensationell
Bis die drei Punkte in trockenen Tüchern sind, ist es ein hartes Stück Arbeit. Nach 90 Sekunden kann sich Zug bei seinem Schlussmann bedanken. Sensationell, wie Leonardo Genoni seinen Beinschoner gerade noch rechtzeitig ausfährt.Defensive und Offensive im Gleichgewicht behalten, lautete der Matchplan von Groulx. Das gelingt den Zugern, obwohl hochkarätige Szenen im ersten Drittel Mangelware sind. Was auffällt: Sie versuchen mit mehr Geschwindigkeit durch die Mittelzone zu kommen.Und sie agieren mit einer höheren Intensität, heisst: mehr Druck auf den puckführenden Spieler und ein aggressiveres Forechecking. Offensichtlich ist auch: Groulx sucht mit den Spielern oft das Gespräch und erteilt Anweisungen.Da Groulx noch nicht alle Spielernamen und deren Nummern intus hat, steht er während des Spiels im engen Austausch mit den beiden Assistenztrainern.«Sie helfen mir extrem. Ich habe noch nie zusammen mit schwedischen Trainern gecoacht. Ich habe grossen Respekt vor ihnen. Es ist eine sehr schöne und spannende Erfahrung», erläutert Groulx.Ein Manko im EVZ-Spiel bleibt das Kreieren von gefährlichen Torchancen. Vor beiden Toren läuft lange Zeit wenig.Was das Schussvolumen betrifft, wäre das EVZ-Führungstor verdient gewesen, doch die Mehrheit der Versuche wird aus der Distanz abgegeben. Dem Führungstreffer am nächsten kommt
Grégory Hofmann(37.), als er allein vor Keeper Ludovic Waeber auftaucht. Positiv aus Zuger Optik: Im Vergleich zu den vergangenen Darbietungen wird die Fehlerquote tief gehalten.
Obwohl mit Lukas Bengtsson,
Raphael Diaz und Samuel Guerra nach wie vor drei wichtige Abwehrstützenverletzungsbedingt ausfallen, steht die Defensive auf solidem Fundament, was Genoni die Arbeit erleichtert.Zu beobachten ist, dass Groulx die taktischen Fesseln etwas gelöst hat. Beispielsweise ist Topskorer Dominik Kubalik besser ins Spiel integriert. So ist es kein Zufall, dass ausgerechnet der Tscheche den mitgereisten Anhang zum Jubeln bringt.Er reüssiert in der 42. Minute im Powerplay mit seinem präzisen Schuss vom Bullykreis.Ein Halten von Verteidiger Dominik Schlumpf bringt den EVZ dann ins Zittern. Bei einem Lattenknaller (47.) wäre Genoni machtlos gewesen. Die Klotener wittern Morgenluft und setzen zur Schlussoffensive an.Ihre
Bemühungen werden belohnt. In der 54. Minute kann Genoni nichts mehr
ausrichten.Der EVZ wird nun stark in die Defensive zurückgedrängt. Ein Klotener Abschluss streift den Pfosten.Doch dann schlagen die
Gäste gnadenlos zu. Bei einem Entlastungsangriff trifft Captain
Jan Kovar (56.). Das Heimteam rennt weiter an. Und da zeigt sich Glücksgöttin Fortuna erkenntlich, die dem EV Zug in diesem Jahr nicht immer gut gesinnt war. 25 Sekunden vor Schluss scheitern die Klotener erneut am Gehäuse.Für den EVZ ist der Sieg in psychologischer Hinsicht von grosser Bedeutung. Um zu be-urteilen, ob er «die Wende zum Guten» eingeleitet hat, ist es zu früh. Das Team weiss: Will es eine nachhaltige Trendwende bewerkstelligen, bedarf es weiterer konstanter Leistungen. Ein Anfang ist gemacht.
LZ