«Das akzeptiere ich nicht»
Zwei Runden vor Schluss ist definitiv, dass der EV Zug die Qualifikation auf Rang 7 oder 8 beendet. Vor dem heutigen Heimspiel gegen die Rapperswil-Jona Lakers hat Headcoach Benoßt Groulx eine unmissverstÀndliche Botschaft parat.
Das Positive vorneweg. Erstens: Nach dem 50 Spieltag können die Zuger nicht mehr aus den Top 8 verdrĂ€ngt werden.Heisst konkret: Am Donnerstag, 12. MĂ€rz, sowie am Samstag, 14. MĂ€rz, duellieren sie sich in einer Play-In-Serie mit Hin-und RĂŒckspiel um die direkte Playoff-Qualifikation.Scheitern sie, eröffnet sich eine weitere Chance (ebenfalls mit Hin- und RĂŒckspiel), um sich ein Ticket fĂŒr die Viertelfinals zu sichern. Dann mĂŒssten sie es gegen den Sieger aus der Partie Neunter gegen Zehnter richten.Zweitens: Die RĂŒckkehr von Raphael Diaz ist mehr als nur ein Lichtblick. Er bringt einerseits die von ihm erhoffte StabilitĂ€t in der Defensive zurĂŒck und andererseits sorgt er dank seiner schnellen Auffassungsgabe bei der Angriffsauslösung fĂŒr mehr VariabilitĂ€t.Seine Beine mögen sich zwar nicht mehr so flink fortbewegen, doch der 40-jahrige Musterprofi hat immer noch genĂŒgend Benzin im Tank, um mit den Besten mitzuhalten. Gegen den SC Bern stand Diaz lĂ€nger als 18 Minuten auf dem Eis - und erzielte seinen ersten Treffer seit dem 23. November 2024, damals im Dress des Ex Klubs Fribourg-GottĂ©ron. Diaz freut sich ĂŒber die Fortschritte, die er von Tag zu Tag registriert.«Es fĂŒhlt sich gut an. Mit jedem Spiel komme ich besser in den Rhythmus. Ich bin auf einem guten Weg.»Nach fĂŒnf nervenaufreibenden Monaten des Pausierens aufgrund der SpĂ€tfolgen wegen zwei StockschlĂ€gen gegen sein Kinn, wodurch sein
Gleichgewichtsorgan geschĂ€digt war, trĂ€gt er nun einen Spezialhelm mit Voll-Plexi. Diaz sagt: «Dadurch ist mein Kiefer sehr gut geschĂŒtzt. Es kann so schnell gehen, dass du von einem Stock oder Puck getroffen wirst. Der Helm kann die SchlĂ€ge besser dĂ€mpfen. Die Gesundheit geht vor.» Angst vor ZweikĂ€mpfen habe er keine. «Ich gehe dem Körperkontakt nicht aus dem Weg, sondern nehme die Duelle an.»
Mentale Einstellung passte dem Trainer nicht
Weniger Erfreuliches hatte Trainer BenoĂźt Groulx nach der 1:2-Niederlage am Donnerstag in Bern zu berichten: «Der Effort hat nicht gestimmt.»Und:«FĂŒr diese Leistung gibt es keine Entschuldigung.» Groulx bemĂŒhte sich erst gar nicht, um seinen Ărger in Watte zu packen,um so den Spielern ein Alibi zu verschaffen. Bei den Spielern klang das ResĂŒmee deutlich milder, so beispielsweise bei StĂŒrmer Nando Eggenberger: «Wir haben viel fĂŒrs Spiel gemacht. Wir haben so gespielt, wie wir uns das vorgenommen haben.»Diese Episode aus den Katakomben der PostfinanceArena zeigt, dass Spieler bisweilen eigene Interpretationen von Geschehnissen haben als der Trainer. Einen Tag nach der Niederlage ist es um die Laune des Frankokanadiers wieder deutlich besser bestellt. Was ihm so stark auf das GemĂŒt geschlagen hatte? «Mit der mentalen Einstellung war ich ĂŒberhaupt nicht zufrieden. Wenn man heiss auf das Spiel ist, spielt man besser als wir es gegen Bern getan haben.»Beim Meeting am Freitagvormittag hat er den Finger in die Wunde gelegt und die VersĂ€umnisse gegenĂŒber dem
Team klar benannt. «Wir haben ein Standardniveau, das wir nicht unterschreiten dĂŒrfen.Das akzeptiere ich nicht. Wir haben ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, aber es gibt ein gemeinsames Ziel. Das habe ich in Bern auf dem Eis nicht gesehen und das muss sich Ă€ndern.» Groulx hofft, dass der Abend eine gute Lektion gewesen sei, um fĂŒr die nĂ€chsten Aufgaben die richtigen Lehren zu ziehen.
Herzog zurĂŒck im Kader - Lilja nur Zuschauer?
Bereits heute folgt die nĂ€chste Runde. Und diese prĂ€sentiert dem neutralen Hockeyfan ein Wunschszenario. In allen sieben Stadien hat der Ausgang des Spiels fĂŒr mindestens eine Mannschaft Relevanz wie auch Brisanz. Nach wie vor hat es der sich auf Platz acht befindende EV Zug (74 Punkte) in den eigenen HĂ€nden, die Qualifikation auf Rang sieben abzuschlies-sen, auf dem die Rapperswil-Jona Lakers (76) stehen. DafĂŒr benötigen die Zuger im Heimspiel gegen die St. Galler dringend einen Sieg.Denn die Lakers treten in der Schlussrunde gegen den
HC Ambri-Piotta an. FĂŒr die Tessiner ist die letzte Runde am Montag womöglich ein Spiel ohne Wert, da sie momentan fĂŒnf Punkte hinter einem Play-In-Rang liegen und mit grosser Wahrscheinlichkeit die Playout-Serie gegen den HC Ajoie bestreiten mĂŒssen. Rang sieben oder Rang acht: Macht es ĂŒberhaupt einen Unterschied, ob der EVZ in einem Duell gegen die Lakers das erste Spiel auswĂ€rts oder zu Hause austrĂ€gt? Groulx hat dazu eine klare Meinung: «Ob du daheim oder auswĂ€rts startest, spielt keine Rolle. Wir benötigen ohnehin zwei Leistungen auf einem Top-Level.»
Good News gibt es an der Verletztenfront: Groulx plant wieder mit StĂŒrmer Fabrice Herzog. In einer undankbaren Lage befindet sich der neue AuslĂ€nder, FlĂŒgel Jakob Lilja, der bei drei von vier Spielen zum Zuschauen verdammt war. Ob der Schwede heute eine Option ist, lĂ€sst der Trainer offen.«Es ist momentan nicht leicht fĂŒr ihn. Doch die Aufstellung ist nicht in Stein gemeisselt.»Nach der Ansage von Groulx stellt sich zwangslĂ€ufig die Frage, welche Antwort die Mannschaft bereithĂ€lt. Ob die Niederlage ein psychologisch starker DĂ€mpfer war oder bloss ein Ausrutscher? DarĂŒber wird schon das Spiel gegen die Lakers Aufschluss geben.
LZ