0, 1, 0, 2, 2, 2, 2, 2, 1 - das ist die marginale offensive Ausbeute des EV Zug aus den Partien in diesem Kalenderjahr. Die Geschichte wiederholt sich, Zug dreht sich im Kreis. Der personell gut besetzte Angriff bereitet grosse Sorgen, er leidet unter akutem Tormangel. Mit einer Torproduktion auf diesem tiefen Niveau ist der dringend benötigte Punktezuwachs bereits im Vorhinein zum Scheitern verurteilt. Und nun kommt es heute (19 Uhr) im
Rückspiel des Champions-League-Halbfinals ausgerechnet zum Duell mit Lulea. Warum das erwähnenswert ist: Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Schweden wohl der ungünstigste Gegner, den sich die Zentralschweizer wünschen können.Während Zug vor dem gegnerischen Tor nichts auf die Reihe bekommt, macht Lulea seine Hausaufgaben in der Defensive.In den letzten fünf Spielen kassierte der amtierende schwedische Meister gerade mal fünf Gegentore.
Wer bringt den Zuger Sturm wieder auf Betriebstemperatur?
Zuletzt hat sich kein Angreifer in den Vordergrund spielen können. Will er erstmals in den Champions-League-Final einziehen, muss der EVZ offensiv wieder reüssieren. Es brauchtTore,keine Kunstwerke,«reingewürgt» reicht auch.Dass sich der EV Zug überhaupt noch Chancen aufs Endspiel ausrechnen darf, ist Leonardo Genoni zu verdanken.Der Torhüter gehört zu den wenigen löblichen Ausnahmen im EVZ-Kollektiv, die in der sportlichen Schieflage standhaft bleiben. Er hat vor einer Woche dafür gesorgt, dass die Hypothek aus dem Hinspiel (2:3) nicht grösser ist. Genoni entschärfte 32 von 35 Schüssen und zeigte einige Top-Paraden. Im Hinspiel sind seinen Vorderleuten zu viele Fehler passiert, deshalb ist die knappe Niederlage schmeichelhaft für den EVZ.Auf Genoni dürfte auch heute viel Arbeit warten. Denn im Vergleich mit dem EV Zug verläuft die Formkurve bei den Schweden in eine diametral andere Richtung. In der Meisterschaft hat Lulea neun der letzten elf Spiele gewonnen. Als Genoni am späten Samstagabend nach der neunten Niederlage in Serie (1:4 in Genf) mit der schwierigen Konstellation konfrontiert wurde, gab er sich gewohnt cool.«Ich liebe diesen Nervenkitzel, ich liebe Duelle auf internationalem Niveau», sagte er.Der 38-Jährige ist einer, der Drucksituationen schon zur Genüge durchgestanden hat. In K.o.-Spielen blüht er auf. Der Rekordspieler der Champions League (66 Partien) ist dafür prädestiniert, seinem Team die nötige Sicherheit zu geben.
Niederlagen setzen Trainer Liniger zu.
Doch positive Ansätze sind beim
EV Zug zurzeit rar gesät. Die ungenügenden Leistungen und die neun Niederlagen in Serie schlagen allen Beteiligten aufs Gemüt. Für die mental zermürbende Situation gibt es nur ein Gegenmittel:Erfolgserlebnisse.
«Es ist eine Frage der Lockerheit.
Derzeit bremsen wir uns selbst
aus, das wirft uns immer wieder zurück», sagt Genoni.Die Niederlagen haben auch Trainer Michael Liniger zugesetzt. Die Last war ihm insbesondere nach dem Tiefpunkt gegen Ajoe anzusehen,vor
den Medien hinterliess er einen aufgewühlten Eindruck. Mit etwas Abstand räumt Liniger selbstkritisch ein: «Ich habe mich zu stark von meinen Emotionen leiten lassen. Das ist nicht der richtige Weg.» Der Trainer stellt sich der Situation und möchte sich auf das konzentrieren, was er beeinflussen kann:die tägliche Arbeit. «Ich bin die Spitze des Teams. Ich muss Antworten liefern.» Die Wende zum Guten ist bislang trotz Ansagen des Trainers und der Spieler, vielen Einzelgesprächen sowie Rochaden in den Angriffslinien noch nicht gelungen. Für Genoni ist klar: «Funktionieren können wir nur als Einheit. Das Wohl der Mannschaft muss an erster Stelle stehen.»Beim EV Zug ist man sich im Klaren, dass es eines enormen Kraftaktes bedarf, um Lulea zu besiegen. Dass er in dieser Saison schon bewiesen hat, gegen europäische Top-Teams in entscheidenden Momenten für die Differenz zu sorgen, macht Genoni und Liniger Hoffnung. Defensiv resolut aufräumen, offensiv die Torproduktion zum Laufen bringen: Das ist nun diegrosse Aufgabe. Mit diversen Nationalmannschaftsspielern stehen genug Profis auf dem Feld, die solche K.o.-Spiele in ihrem Erfahrungsschatz haben.Genoni sagt: «Ich glaube daran, dass wir es schaffen können.»
LZ