«Das OYM steht nicht zur Debatte»
Heute beginnt die entscheidende Phase der National-League-Saison. Der EVZ liegt derzeit auf Platz 8. CEO Patrick Lengwiler äussert sich im Gespräch mit unserer Zeitung zu Reizthemen der letzten Wochen.
Wie ordnen Sie die aktuelle Situation des NL-Teams ein?
Patrick Lengwiler: Sie ist so negativ wie lange nicht mehr. Dass wir zum ersten Mal seit vielen Jahren einen Trainer während der Saison entlassen haben, ist der Beweis dafür.
Ist die Fallhöhe nach den Meistertiteln 2021 und 2022 höher als früher?
Ja, unser Umfeld und auch wir werden einem Realitätscheck unterzogen. Allerdings gibt es auch Gründe für die aktuelle Misere. Vor der Saison stuften wir das Potenzial des Teams auf Rang eins bis vier ein. Doch wenn im Schnitt pro Spiel fünf Spieler ausfallen, dann ist dieses Potenzial deutlich geringer.
Dann war die Trainerentlassung eigentlich unnötig.
Nach zehn Niederlagen in Serie und vereinzelten inakzeptablen Auftritten hatten wir den Eindruck, dass Michael Liniger kein Rezept mehr fand, die Mannschaft aus der Krise herauszuführen. Darum handelten wir.
Nach dem Playoff-Aus im März 2025 schrieben Sie in einem Beitrag auf der EVZ-Website von einem Team, das sich aufgegeben habe, und schlossen: «Das ist nicht unser EVZ, nicht wie ich ihn haben will und auch kenne.» Elf Monate später ist man keinen Schritt weiter.
Wenn wir die Negativserie im Januar anschauen, kann man das so sehen. So wie in dieser Phase will ich und wollen wir alle den EVZ nicht sehen. Wir haben das intern offen und ehrlich aufgearbeitet.
Eine interne Aufarbeitung birgt die Gefahr des Verharmlosens.
Dem würde ich beipflichten, wenn die Verantwortlichen nicht selbstkritisch und wir gegenseitig nicht kritisch wären. Doch beides ist Teil unserer Kultur. Es gibt Leute in unserem Umfeld, die fordern stets nur Köpfe: zuerst den des Trainers, dann den des Sportchefs und schliesslich meinen. So darf man an einem Stammtisch diskutieren, aber wir müssen anders handeln.
Sportunternehmen sind auch Stammtischmeinungen ausgesetzt.
Diese Emotionen gehören zum Spitzensport und wir müssen uns ihnen auch stellen, denn wir sind gewissermassen ein öffentliches Gut. Wichtig ist aber, dass wir nicht agieren wie am Stammtisch. Wenn ich Entscheide aus Emotionen heraus fällen würde, gäbe es den EVZ schon lange nicht mehr.
Teilen Sie den Eindruck, dass Misserfolge viel stärkere Reaktionen auslösen als Erfolge?
Teilweise. In der Schweiz sind Neid, Missgunst und negative Berichterstattung leider sehr ausgeprägt und setzen den Ton. Wir sprechen auch intern länger über Negatives als über Positives.
Werden Sie von Fans und Sponsoren persönlich darauf angesprochen?
Natürlich, ich erhalte viele E-Mails. Diese lese ich auch im Gegensatz zu Beiträgen in sozialen Medien oder im Fanforum – trotzdem kriegt man mit, was dort vor sich geht.
Wie gehen Sie mit der Kritik um?
Fundierte Kritik nehme ich an, aber ich nehme sie nie persönlich. Das auszuhalten, lernte ich ziemlich schnell, nachdem ich mit 26 Jahren Sportchef im EVZ geworden war. Manchmal lade ich Mailschreiber zu mir ein, um mit ihnen zu sprechen und ihnen Zusammenhänge aufzuzeigen. Das sorgt oft für Verständnis.
Ein Vorwurf an Ihre Adresse lautet, dass Sie wegen des Stadionumbaus nicht mehr nah genug am Sport seien. Was sagen Sie dazu?
Die Direktverantwortlichen sind der Headcoach beziehungsweise der Sportchef. In meiner Funktion als CEO bin ich für das Unternehmen als Ganzes und für dessen Zukunft verantwortlich. Im Tagesgeschäft engagiere ich mich immer da stärker, wo es gerade nicht so läuft. Deshalb habe ich nach den letzten Playoffs oder auch in den vergangenen Wochen sehr viel Zeit dem Männerteam gewidmet. Ich glaube allerdings nicht, dass die Mannschaft mehr Tore schiesst, wenn ich ihr näher bin.
Auch das Leistungssportzentrum OYM, dessen Benützung den EVZ für drei Teams rund drei Millionen Franken pro Jahr kostet, steht in der Kritik. Zu Recht?
Es wird viel darüber erzählt, auch viel Unwahres – vor allem in Bezug auf verletzte Spieler. Wenn etwa einer bei einem geblockten Schuss den Fuss bricht, dann ist das einfach Pech und hat null und nichts mit dem OYM zu tun. Es liegt an uns, die grossen Möglichkeiten, die das Zentrum bietet, richtig zu nutzen.
Gibt es denn etwas Messbares, das den Wert des OYM nachweist?
Man kann sicher analytische Werte aufzeigen, die Verbesserungen in der Athletik belegen. Doch es ist klar: Der einzig wahre Gradmesser für uns sind die Resultate auf dem Eis, und die stimmen in dieser Saison bei der ersten Mannschaft nicht.
Spielen Sie mit dem Gedanken, das OYM für das NL-Team nicht mehr zu nutzen?
Nein, das OYM ist ein wichtiger Bestandteil des EVZ und von unserem Präsidenten Hans-Peter Strebel auch unseretwegen errichtet worden. Es steht nicht zur Debatte. Und mal ehrlich: Wenn alles so schlecht wäre, wie es von manchen Leuten heisst, dann würde der Handballverband seine Frauen- und Männerakademie nicht dort führen.
Was bereitet Ihnen derzeit Freude, wenn Sie auf den EVZ blicken?
Wir befinden uns in einer grossen Entwicklung, das neue Stadion wird uns auf eine höhere Stufe heben. Ich freue mich, dass alle Mitarbeitenden motiviert sind und voll mitziehen. Wenn ich das Sportliche betrachte, ist natürlich das Frauenteam hervorzuheben. Was dort geleistet wird, ist grossartig. Der Meistertitel ist realistisch. Der Zuschauerschnitt von 1313 Fans ist Europarekord, doch das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Bei den Männern liegt der offizielle Zuschauerschnitt bei 7231 Personen; die 6000 Abos werden stets mitgezählt. Es sind allerdings oft viele Plätze leer. Wie hoch ist der tatsächliche Durchschnitt?
Den kommunizieren wir nicht, aber er weicht stark von der genannten Zahl ab. Im Vergleich zur letzten Saison sind im Schnitt rund 500 Zuschauende weniger da. Ein Grund dafür ist neben dem Misserfolg der dichte Spielplan mit bis zu drei Heimspielen pro Woche. Das können und wollen sich nicht alle einrichten.
Während des letzten Spiels gab es Protestbekundungen gegen die in Zug durchgeführten ID-Scans für Auswärtsfans. Was sagen Sie dazu?
Die ID-Scans sind Teil der Bewilligung der Polizei für unsere Spiele und somit nicht verhandelbar. Ich bin aber sowieso der Meinung: Wer nichts zu verbergen hat, soll seine ID zeigen. Zudem verrät man in sozialen Medien noch mehr von sich.
Allerdings freiwillig.
Auch der Besuch eines Hockeymatches ist freiwillig.
Am Dienstag beginnt die entscheidende Phase in der National League. Was erwarten Sie vom Team?
Ich hoffe zunächst, dass möglichst viele Spieler von der Verletztenliste zurückkehren. Dann wollen wir aus den letzten sechs Qualifikationsspielen Positives für die nächsten Aufgaben mitnehmen.
Rechnen Sie mit dem Play-In?
Wenn wir die Tabelle betrachten, ist das das realistische Szenario, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen.
Stimmt es, dass der Basislohn der Spieler beim Verpassen der Playoffs gekürzt wird?
Das ist richtig. So, wie es einen Bonus gibt, je weiter man in den Playoffs kommt, so gibt es auch einen Malus, wenn man diese verpasst.
Luzerner Zeitung
24.02.2026