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Die Schweizer Eishockey-Oscars: Matej Stransky wird zum wertvollsten Spieler gewählt – und kehrt dem HCD den Rücken
Die Coaches und Captains der National League haben für Tamedia zum 22. Mal die prägendsten Figuren der Qualifikation erkoren. Der HC Davos dominiert – und ein 39-Jähriger verblüfft alle.
Anerkennung durch die Gegner – im Eishockey gibt es kaum eine grössere Auszeichnung. Bereits zum 22. Mal haben die Coachs und Captains der National League für die Tamedia-Sportredaktion die herausragenden Persönlichkeiten der Qualifikation bestimmt. Gewählt werden konnten ausschliesslich Spieler der gegnerischen Teams – nicht die eigenen.
Erkoren wurden der wertvollste Spieler (MVP), der beste Goalie, Verteidiger und Stürmer, der Aufsteiger der Saison sowie der Coach des Jahres. Hinzu kommen die All-Star-Teams mit und ohne Ausländer.
MVP und bester Stürmer: Matej Stransky (Davos)
Matej Stransky trat diese Saison in grosse Fussstapfen: Er übernahm beim HCD das Captainamt von Andres Ambühl, einer Legende des Schweizer Eishockeys. Das «C» auf der Brust beflügelte ihn. Er schoss nicht nur die meisten Tore der Liga (28), sondern führte die Bündner mit seiner Entschlossenheit auch zum Qualifikationssieg.
Dafür wurde der 32-Jährige mit deutlichem Vorsprung zum wertvollsten Spieler gewählt. Er ist der vierte tschechische MVP in jüngerer Zeit – nach Dominik Kubalik (2018/19), Jan Kovar (2020/21) und Roman Cervenka (2022/23). Selbstredend wurde er auch als bester Stürmer ausgezeichnet.
Seit 2021 ist der 1,93 Meter grosse Hüne mit seinem wuchtigen Schuss und seiner Zweikampfstärke ein fester Wert in der Davoser Offensive. 2024 wurde er Weltmeister, nun möchte er den HCD zum Abschied noch zum Schweizer-Meister-Titel führen.
Denn der beste Einzelspieler der Liga kehrt den Bündnern nach dieser Saison trotz weiterlaufenden Vertrags den Rücken und heuert in seiner Heimat bei Pardubice an – um wieder mit seiner Familie zusammen zu sein. Seine Frau ist in dieser Saison mit den beiden Kindern in Tschechien geblieben. Beim HCD zeigt man Verständnis, doch der Abgang des MVP ist ein schwerer Verlust.
Bester Goalie: Reto Berra (Fribourg)
Reto Berra hat noch lange nicht genug. Mit 39 spielt er bei Gottéron eine seiner besten Saisons, wenn nicht gar seine beste. War er 2021/22 ex aequo mit Leonardo Genoni zum besten Goalie gewählt worden, stach er diesmal alle aus: Er erhielt 16 Stimmen und distanzierte Simon Hrubec (sechs) und Sandro Aeschlimann (vier) klar. Was ist sein Geheimnis, dass er im hohen Alter noch so gut spielt? Er sei mit der Erfahrung ruhiger geworden, sagt der 1,94-Meter-Hüne.
Fribourg gab schon im vergangenen August bekannt, dass es ab 2026/27 mit Ludovic Waeber als Nummer 1 plant. Worauf Berra beim EHC Kloten unterschrieb – für zwei Jahre. Ob man das an der Saane nun bereut?
Jedenfalls zeigt Berra, dass Klasse kein Ablaufdatum hat. Nach einer einjährigen Auszeit im Nationalteam kehrte er auch wieder auf die internationale Bühne zurück und war er an Olympia Back-up von Genoni. Gut möglich, dass das Schweizer Goalieduo an der Heim-WM Berra/Genoni heissen wird. Dreimal WM-Silber hat Berra schon.
Bester Verteidiger: Erik Brännström (Lausanne)
Dass Erik Brännström gut zur Schweizer Liga passen würde, war zu erwarten. Aber so gut? Im Herbst 2020 gab der Schwede während der Coronapause in der NHL bei seinem zweimonatigen Gastspiel für die SCL Tigers eine Kostprobe seines Könnens, nun dominiert er bei Lausanne nach Belieben. Brännström liebt das Offensivspiel und profitiert davon, dass er hier mehr Raum und Zeit hat, um seine Kreativität auszuleben. Mit 23 von 26 möglichen Stimmen wurde er zum besten Verteidiger gewählt.
In der NHL in der ersten Runde gedraftet, wurde er als grosses Talent gehandelt und mit Ausnahmespieler Erik Karlsson verglichen. Doch die Last der Erwartungen habe ihn fast erdrückt, sagt der 26-Jährige rückblickend. Das Pendeln zwischen NHL und Farmteam zermürbte ihn, sein Selbstvertrauen litt. In Lausanne geniesst er nun das uneingeschränkte Vertrauen von Coach Geoff Ward und hat die Freude am Eishockey wiederentdeckt.
Ganz hat er seinen NHL-Traum aber noch nicht losgelassen. Irgendwann würde er auch gerne noch in der besten Liga zeigen, was in ihm steckt.
Aufsteiger der Saison: Attilio Biasca (Fribourg)
Ein Wechsel in die Fremde kann auf einen jungen Spieler beflügelnd wirken. Wie nun bei Attilio Biasca. Der 22-Jährige wurde beim EVZ gross, und man hätte ihn liebend gerne behalten, doch er entschied sich für einen Wechsel zu Gottéron und hat sich da zum Goalgetter entwickelt. Gradlinig und furchtlos, ist er mit 15 Toren sogar der beste Schweizer Torschütze der Freiburger. Das trug ihm den Titel des Aufsteigers der Saison ein.
Coach des Jahres: Josh Holden (Davos)
Als Spieler war Josh Holden wild und unzähmbar, manchmal überschritt er Grenzen. Als Coach musste er sich beim HC Davos neu erfinden. Oder besser: disziplinieren. Das gelang ihm nicht immer. Als er in seiner ersten Davoser Saison während des Spengler-Cup-Finals 2023 den Slowaken Tomas Jurco auf der Bank am Leibchen zerrte und ihn heftig durchschüttelte, schlug das hohe Wellen. Inzwischen wirkt Holden an der Bande ganz besonnen, auch wenn es in ihm drinnen brodelt.
Als Assistent von Dan Tangnes beim EV Zug genoss der 48-Jährige die wohl beste Ausbildung, die man sich wünschen kann. In seinem dritten Jahr als Headcoach führte er den HCD nun auf Rang 1 und wurde mit 22 Stimmen mit grossem Vorsprung vor Luganos Tomas Mitell (fünf) zum Trainer des Jahres gewählt. Doch die grösste Nervenprobe steht für ihn noch an: Davos startet als Favorit ins Playoff – damit muss man umgehen können.
Das All-Star-Team
Das dürfte Nationalcoach Patrick Fischer freuen: Neben Reto Berra, Erik Brännström und Matej Stransky schafften es mit Lukas Frick, Denis Malgin und Théo Rochette drei Schweizer Feldspieler ins All-Star-Team. Frick brilliert beim HCD als Offensivverteidiger, Rochette wird immer stärker, und Malgin spielt einfach wie Malgin.
Das Schweizer All-Star-Team
Nicht sechs, sondern gleich acht Namen umfasst das Schweizer All-Star-Team inklusive der bereits genannten Schweizer. Denn Dean Kukan und Michael Fora erhielten je 12 Stimmen, und Luca Fazzini und Sandro Schmid liegen mit je 15 Stimmen ebenfalls gleichauf.
(Tagi, 10.3.26)