Viele Kummerbuben - wenig Lichtblicke.
Der EV Zug hat eine verkorkste Saison hinter sich. Das spiegelt sich in den Noten der Spieler. Wir verteilen Zeugnisse.
LZ
Leonardo Genoni 4,5
Im Liga-Vergleich war der wertvollste WM-Spieler nur Durchschnitt Allerdings gehörte er zu den wenigen EVZ-Konstanten.Genoni stahl in der Qualifikation für seine Mannschaft einige Punkte mit dem Effekt, dass es für die Top 8 reichte, Für einmal war er in den K.o.-Spielen gegen Davos kein Schlüsselfaktor, sondern «ungenügend» (eigene Aussage).
Tim Wolf 3,5
Die Kritik an Ihm war teilweise überrissen, auch wenn er sich über haltbare Tore ärgern musste und seine Fangquote weniger als 90 Prozent betrug. Er weiss noch nicht, wie es in seinem Sportlerleben weitergeht. Es wäre ein bitteres Ende seiner Hockeykarriere, fände er bei einem Profiklub keine Anstellung mehr.
Nic Balestra 4,0
Dank der Ruhe am Puck erhofft man sich in Zukunft einiges von ihm. Wie schon letzte Saison plagte ihn grosses Verletzungspech. Er muss zuerst das Vertrauen wieder zurückgewinnen. Wird im Sommer auch im Kraftbereich eifrig Einheiten abspulen, um an Körpermasse zulegen.
Lukas Bengtsson 4,5
Gehört in der Schweiz zu den besten Abwehrspielern. Kein Zufall, fällt seine verletzungsbedingte Absenz in die zehn Spiele andauernde Niederlagenserie im Januar. Seine Abwesenheit traf den EVZ hart. Allerdings hat er von seiner Dominanz eingebüsst: Auch mit dem Toreschiessen klappt es nicht so recht: Nur zwei von 40 Schüssen fanden den Weg ins Tor.
Raphael Diaz 4,5
Schade, setzte ihn eine Verletzung fünf Monate ausser Gefecht. Auch wenn er nicht mehr so dynamisch ist, hat er nichts von seinem cleveren Stellungsspiel verlernt. Seine Abläufe hatten Hand und Fuss. Nach seiner Rückkehr gehörte er gleich zu den Besten, obwohl er nicht fehlerfrei blieb. Welche Signale sendet sein Körper aus? Die Zukunft ist ungewiss.
Mischa Geisser 3,5
Spielerisch wird er nie herausragend. Er macht seine Defizite in Sachen Stocktechnik mit körperlicher Robustheit wett. Allerdings überschritt er immer mal wieder die Grenze des legalen Körpereinsatzes.Er wird es schwierig haben,nächste Saison einen fixen Platz im Lineup zu ergattern.
Tobias Geisser 3,5
Der Cousin von Mischa spielte viele seiner körperlichen Vorzüge zu wenig aus einmal mehr.Man fragt sich schon länger: Ist sein Leistungsvermögen ausgeschöpft? Elf Skorerpunkte sind zu wenig für einen Spieler mit so viel Eiszeit. Offensiv fehlen ihm die Ideen. Ein Leadertyp wird aus ihm nicht mehr.
Jesse Graham 4,5
Der vorübergehende Leihspieler aufgrund der Verletzungsorgie war eine sinnvolle Verstärkung. Er verlieh dem Team mit seinem unaufgeregten Spielstil Stabilität.
Samuel Guerra 4,0
Kein schlechter Schachzug, den in Lugano nicht mehr erwünschten Abwehrspieler in die Zentralschweiz zu holen. Er weiss, was er kann und was nicht und spielt entsprechend. Bekundete allerdings Mühe, wenn es schnell ging.
Dorian Moret 4,5
Ein neues Gesicht aus dem Nachwuchs. Der Sprung ins kalte Wasser meisterte er im Herbst problemlos. Er agierte ziemlich selbstbewusst für sein Alter und setzte seine Gardemasse (1,86 m, 86 kg) gut ein.Wie bei vielen anderen Spielern kam ihm eine Verletzung in die Quere.
Elia Riva 3,5
Sein wunder Punkt bleibt die
Verletzungsanfälligkeit. Erneut hat er nur die Hälfte aller Partien bestritten. Ist er gesund, macht er seine Sache ordentlich, aber ein Top-4-Verteidiger ist er nicht. Oft agierte er zu hastig am Puck und trat offensiv selten in Erscheinung.
Dominik Schlumpf 3,5
Dem Wuschelkopf unterlief der eine oder andere Aussetzer zu viel. Er räumte nicht mehr so rigoros auf wie zu seinen besten Zeiten. Auch bei ihm spürt man, dass die Zeit nicht stillsteht, zuletzt war er verletzt. Er hätte nach elf tollen Jahren einen würdigeren Abschied aus Zug verdient gehabt. Ob er seine Karriere fortsetzt, ist fraglich.
David Sklenicka 4,5
Dauerläufer (22:23 Minuten Eiszeit pro Spiel) sowie Symbol für Opferbereitschaft. Er blockte
117 Schüsse, Liga-Höchstwert!
Der heimliche Königstransfer. Zu Saisonbeginn sehr dominant mit dem Hattrick gegen Fribourg-Gottéron als Höhepunkt.Hat im Verlauf der Saison an Souveränität eingebüsst
Livio Stadler 3,5
Er hat kein einziges Spiel verpasst. Wenn es schnell ging, war er zuweilen überfordert. Ist nicht immun gegen das eine oder andere Blackout. Er leistete sich einige überhastete Aktionen, wenn er unter Druck geriet. Dürfte an der offensiven blauen Linie mutiger sein und in den Torschuss gehen, statt einen weiteren Querpass zu spielen.
Robin Antenen 4,0
Jung und entwicklungsfähig Ob ihm der Durchbruch gelingt, wird sich zeigen. Etwas mehr Biss würde ihm nicht schaden.
Nando Eggenberger 3,5
Kam in Zug während der beiden
Jahre nie über die Rolle des Mitläufers hinaus. Die mit Abstand schlechteste Plus-Minus-Bilanz (-17) in der Qualifikation. Steigerte sich gegen Saisonende, doch: in ein Lehrvideo in SachenSchusseffizienz
(5 Prozent)schafft er es nicht mehr.
Fabrice Herzog 2,0
Die grosse Enttäuschung. In der Offensive weitgehend ein Totalausfall. Er war so etwas wie das Sinnbild der Zuger Hilflosigkeit.Drei Tore in der Quali:ein persönlicher Tiefstwert. In den Meisterjahren war er noch Pow-erstürmer, heute ist er kaum wie-derzuerkennen. Nachvollziehbar, dass er keinen Vertrag mehr erhielt.
Grégory Hofmann 3,5
Ein typischer Stimmungsspieler.
Spielt er mit Selbstvertrauen, ist er nicht zu halten. Aber er verschwand oft für ganze Spiele von der Bildfläche. Im November und Dezember sahen wir den besten Hofmann (10 Tore in 14 Spielen), doch dann ging es abwärts. Ob es an der Nicht Nomination für Olympia lag? In den Playoffs ansprechend, aber nicht ausreichend.
Dominik Kubalik 3,5
Sein Direktschuss gehört zu den besten der Liga. Mit 23 Toren EVZ-Topskorer und trotzdem keine genügende Note? Ja, weil er mit unzureichender Laufarbeit, Intensität und Defensivleistung den Geduldsfaden von Trainer Benoit Groulx zu arg strapazierte.Das nennt sich mangelnder Einsatz.
Jan Kovar 3.0
Wo war der Jan Kovar, der Jahrelang verehrt wurde? Das Team dürstete nach seinen Geistesblitzen, aber sie kamen nicht. Er Ist kein emotionaler Leader mehr. Hinter seiner Physis steht ein grosses Fragezeichen. Zudem hat er unter anderem durch sein Frust-Verhalten am meisten Zwel-Minuten-Strafen kassiert(16). Kurz: zu wenig gut für einen Ausländer.
Mike Künzle 3,5
Bei ihm ist man als Beobachter immer hin und hergerissen.Licht und Schatten wechselten sich bisweilen in wilder Abfolge ab. Auf eine schöne Einzelaktion konnte ein
disziplinarischer Bock folgen. Von ihm erwartet der EVZ einen grösseren Einfluss aufs Spiel. Zu wenige Ausreisser nach oben.
Sven Leuenberger 4,0
Unspektakulär wie immer. Doch bei ihm weiss man, was man bekommt: harte, ehrliche Büez. Er erledigte seinen Job als Viertelinien-Center klaglos. Sein offensiver Output war allerdings auch schon grösser. Nur vier Skorerpunkte, das sind 13 weniger als in der letzten Saison. Es wäre spannend zu sehen, wie er in einer offensiveren Linie zurechtkommt.
Colin Lindemann 4,5
Im Vergleich zum Saisonstart gelang ihm im Frühjahr ein Quantensprung. Er erzielte drei Tore in den letzten acht Spielen und damit mehr als Kubalik, Tatar und Hofmann in dieser Zeitspanne.Zugs Glück: Sportchef Reto Kläy schickte ihn bereits auf Jobsuche und überlegte es sich Wochen später doch noch anders.
Lino Martschini 3,5
Er erhielt Ende Oktober eine niederschmetterndeDiagnose:
Kreuzbandriss und Meniskusschaden. Bis dahin glückten ihm nur 4 Tore in 20 Spielen. Er nahm sich zu viele Auszeiten.
Sven Senteler 4,5
Einer der teamdienlichsten Spieler.
14 Tore diesen Wert hat er zuletzt vor sieben Jahren übertroffen.Musste in fünf Partien als Verteidiger aushelfen, tat dies ohne Fehl und Tadel. Auch ihm gelang nicht alles, doch fehlender Kampfgeist konnte ihm nicht angelastet werden.Seine oft selbstkritische Haltung würde auch anderen Spielern gut zu Gesicht stehen.
Tomas Tatar 3,5
Am meisten Assists (25), aber dennoch nicht genügend. Seine Qualitäten flackerten auf, er leistete sich aber auch haarsträubende Fehler. Als Center angepriesen,hatte er auf dem Flügel den grössten Einfluss.In den Playoffs war er eine Enttäuschung: 5 Spiele, 1 Tor, 0 Assists und eine fürchterliche Minus-7-Bilanz.
Daniel Vozenilek 2,0
Vom Uberhol auf den Pannenstreifen. Er kam fast nie auf einen grünen Zweig und verärgerte die Fans mit lustlosem Herumgekurve oder weil er es mit dem Kopf durch die Wand versuchte.Die Spieldauerdisziplinarstrafe bei seinem Abschiedsspiel passte zu seiner unterirdischen Saison. So hart es klingt: Ihm weint niemand eine Träne nach.
Loris Wey 4,5
Kleine Postur (1,75 m), aber grosses Kämpferherz. Eine Art Andreas Wingerli 2.0. Machte einen Schritt nach vorne. Sehr lernwillig und zielstrebig. Er hatte es verdient, mehr Einsätze zu erhalten.Bleibt er am Puck, wird er nächste Saison öfters zum Zug kommen.
Andreas Wingerli 4,5
Läuferisch Sonderklasse polyvalent einsetzbar. Wir honorieren seinen Elan, allerdings reicht es nicht für ein «Gut», da auch er in den Playoffs das Momentum nicht auf die Seite von Zug ziehen konnte.